Emotionale Abhängigkeit und ihre Folgen

Frau klammer am Bein des Mannes in emotionaler Abhängigkeit

Die erste große Liebe ist wunderschön und schenkt ein wunderbares Gefühl der Nähe und Zweisamkeit. So darf es für immer bleiben, doch oft wird diese Hoffnung enttäuscht. Es liegt fast schon in der Natur der Sache, dass eine sehr junge Liebe irgendwann auseinandergeht.

Wohl liegt es daran, dass man sich in einem gewissen Alter einfach noch zu jung für eine feste Partnerschaft fühlt und sich gerne noch ein wenig ausprobieren möchte. Dennoch ist es so, dass die erste Trennung Spuren hinterlässt. Der Eine nimmt die Trennung an und weiß, dass es wohl das Beste war. Der andere weint dem oder der Verflossenen noch eine gute Weile nach und schwört sich beim nächsten Mal alles in Bewegung zu setzen, damit die Beziehung auch wirklich ein Leben lang hält.

Woraus entwickelt sich emotionale Abhängigkeit?

Gerade diese Einstellung kann bei zukünftigen Beziehungen zu einer Art emotionaler bzw. seelischen Abhängigkeit führen. Und dies kann mitunter seltsame und zudem gefährliche Blüten treiben – denn, wer sich vollends auf eine Person konzentriert und diese Beziehung als feststehende Konstante begreift, verpasst das wahre Leben und nimmt sich selbst die Chance, weitere wichtige zwischenmenschliche Erfahrungen zu sammeln

Der Anfang einer solchen Abhängigkeits-Beziehung ähnelt dem Verlauf einer „gesunden“ Partnerschaft im Ansatz. Zwei Singles lernen sich auf einer Party kennen, finden sich gegenseitig ansprechend und verbringen fortan mehr Zeit miteinander.

Der große Unterschied zu einer normal verlaufenden Beziehung ist jener:

Der eine Partner bzw. die eine Partnerin ist bereit, die Partnerschaft langsam auf stabile Beine zu stellen, behält dabei aber im Hinterkopf, dass diese beginnende Romanze durchaus auch zerbrechen könnte. Der andere Part klammert sich hingegen bereits von der ersten Stunde an die neue Beziehung.

Das große „Für immer und ewig“ nimmt sein ganzes Denken und Handeln ein, Gedanken an ein etwaiges Verlassenwerden machen regelrecht Angst.

Das Fatale daran:

Selbst, wenn die Beziehung am Boden liegt, möchte  der emotional abhängige Part diesen feststehenden Sachverhalt unter keinen Umständen wahrhaben. Er oder sie kämpft verbissen, sozusagen mit Zähnen und Klauen um den Erhalt der Partnerschaft. Fast könnte man schon behaupten, dass er oder sie den Partner als Besitz ansieht, dessen Verlust nicht nur schmerzhaft, sondern auch zerstörerisch wäre.

„Ohne dich bin ich ein Nichts!“: Wenn emotionale Abhängigkeit gesunde Grenzen überschreitet

Sich ganz auf den Partner verlassen, keine eigenen Gedanken mehr pflegen und wie ein dressiertes Hündchen auf den Zuruf des Herrchens oder des Frauchens warten, ist irgendwie nicht ganz das, was man sich unter einer normalen, gesunden Beziehung vorstellen sollte.

Eine echte emotionale Abhängigkeit ist immer mit großem Leid, entweder auf einer oder sogar auf beiden Seiten, verbunden. Eine solche selbst verordnete Abhängigkeits-Partnerschaft birgt laut Psychologen gravierende Gefahren in sich und geht nicht selten Hand in Hand mit bereits vorhandenen psychischen Problemen.

Kind sitzt einsam und verlassen auf der Fensterbank
Wer als Kind schon Trennung und Verlust verarbeiten musste, neigt später zu emotionaler Abhängigkeit

Wo liegen die Ursachen der emotionalen Abhängigkeit?

Menschen, welche zu solch einem extremen Verhalten neigen, haben manchmal in ihrer Kindheit schlimme Trennungsszenerien miterlebt und schon damals unter gewaltigen Verlustängsten gelitten. Wurde man als Kind bzw. als Heranwachsender mit Ängsten, Trauer und Trostlosigkeit komplett allein gelassen, sucht man im erwachsenen Dasein nach Halt und immerwährender Sicherheit, die es so, wie es sich die Betroffenen ausmalen wohl kaum geben kann. Zu dieser Sucht und Abhängigkeit gesellt sich häufig ein unterschwelliges Minderwertigkeitsgefühl. Der- oder diejenige fühlt sich nur dann wohl, wenn

•             sie oder er in der Nähe einer vertrauten Person sind

•             den Partner bzw. die Partnerin immer an ihrer Seite wissen

•             alles, aber auch wirklich alles mit ihrem Partner bzw. mit ihrer Partnerin teilen können

•             ständig Bestätigung von ihrem Partner respektive ihrer Partnerin erfahren

•             wenn der Partner ihnen täglich versichert, dass die Beziehung ein Leben lang hält

Dass dies zu argen Verwicklungen bis hin zum vollkommenen Aufgeben der eigenen Persönlichkeit führen kann, muss kaum extra Erwähnung finden. Emotionale Abhängigkeit öffnet zudem Tür und Tor für Menschen, welche sich durch die „hörige“ Person größer, besser und klüger fühlen. So finden in einer solch vergifteten Partnerschaft Persönlichkeiten zusammen, welche sich tatsächlich gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Auch Margot (33) litt jahrelang unter der Vorstellung, Peter (34) für immer halten zu können. Peter schmeichelte dieses Verhalten seiner Verlobten. Gleichzeitig ärgerte es ihn aber auch. Die Partnerschaft nahm allmählig borderline-ähnliche Züge an. Peter streichelte Margots Seele, wenn er mal wieder Anerkennung brauchte, auf der anderen Seite demütigte er Margot, weil ihm ihr ständiges Liebes-Gewinsel und dieses klettenartige Verhalten extrem zu wider war. „Zuckerbrot und Peitsche“ – Margot ging dabei fast vor die Hunde. Eine gute Freundin nahm sie irgendwann, als Margot fast schon am Ende ihrer Kräfte war, an die Hand und brachte sie zu einem einfühlsamen Psychologen, welcher gemeinsam mit Margot den immensen inneren Druck aufarbeitete und ihr schließlich Wege zu einem selbstbestimmten Leben zeigte. Heute lebt Margot getrennt von Peter und fühlt sich endlich in ihrer inneren Mitte angekommen.

„Liebe ist ein Geschenk und beruht auf Freiwilligkeit. Sie für immer einfangen zu wollen, würde sie vollends zerstören!“ (Autor unbekannt)

Bildnachweis: Depositphotos_127836660_l-2015; Depositphotos_53130827_l-2015

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