Eifersucht als Beziehungskiller

Bild mit Mann und Frau in der Mitte zerrissen

„Eifersucht ist jene Sucht, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft!“. Wahre Worte gelassen ausgesprochen, mag mancher Betroffener denken, wenn er oder sie diese lässig formulierten Zeilen liest. Tatsächlich ist Eifersucht ein echtes Problem, für den Partner respektive für die Partnerin, welche den Ärger und das akribische Nachforschen doch bitteschön aushalten sollen. Schließlich sei dies doch ein Zeichen echter, inniger Liebe und der andere Part darf sich deshalb durchaus geschmeichelt fühlen – schließlich genießt er die ganze (wenn auch extreme) Aufmerksamkeit seines Partners oder seiner Partnerin. Haha! Was will man also mehr?

Was macht die Eifersucht mit einer Beziehung?

Frei durchatmen, sich unkontrolliert bewegen dürfen und nicht ständig auf der üblen Verdachtsliste stehen, lautet die Antwort, welche nicht eifersüchtige Menschen absolut nachvollziehen können. Der Eifersüchtige bzw. die Eifersüchtige selbst hingegen sieht dies vollkommen anders. Er oder sie muss einfach dem Partner oder der Partnerin nachspionieren und sie oder ihn tagtäglich mit zermürbenden Fragen konfrontieren. Auch Kontakte werden nur dann ohne Streit und Widerspruch wahrgenommen, wenn der eifersüchtige Partner die Lage und die Menschen, denen er oder sie begegnen soll, gründlich analysiert und abgecheckt hat.

Hier spielen Aussehen, Alter, Karriere und, und, und eine vordergründige Rolle. Eifersüchtige finden immer Gründe, ein Ereignis oder eine Verabredung in letzter Sekunde platzen zu lassen: zu schön, zu schlank, zu reich, zu intelligent – oder ganz banal, einfach zu unterhaltsam. So werden aus der (noch) bestehenden Beziehung nach und nach Dinge sowie soziale Kontakte weggestrichen, weil diese bei dem oder der eifersüchtigen Person Angstgefühle, Verlustängste und Aggressionen auslösen könnten. Lässt der liebende Partner sich auf dieses „böse Spiel“ ein, winkt zum guten Schluss eine Art soziale Verarmung. Frust statt Lust, Trauer statt Freude sind in einer solchen Beziehung, in der die krankhafte Eifersucht regiert, vorherrschend.

Folge der Szenerie:

Ist der Partner erst einmal zaghaft in den speziell für in eingerichteten Goldenen Käfig eingezogen, fällt die Tür ganz schnell ins Schloss und der Schlüssel bleibt in der Hand des eifersüchtigen Partners. Dieser wiegt sich zunächst in trügerischer Sicherheit – denn, wie die nächste Geschichte zeigt, besteht nach einer Weile hohe Ausbruchsgefahr – und es geht wie mit dem Hund, welcher zu lange an der Leine gehalten wurde: er reißt sich los und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Besser ist es, es erst gar nicht soweit kommen lassen. Eifersucht ist nämlich in partnerschaftlicher Gemeinschaftsarbeit oder mit Hilfe von außen gut behandelbar.

Frau will eine Erklärung des Mannes und hält ihm sein Smartphone vor
Wenn die Eifersucht des Partners die Beziehung zerstört

Liebesaus dank Eifersucht: psychische Qualen durch übertriebenes Misstrauen

Wie zermürbend Eifersucht auf eine Beziehung einwirken kann, zeigt der reale Fall Claudia und Richard (Namen von der Redaktion geändert).

Claudia kannte Richard bereits aus Jugendzeiten. Schon immer hatte sie ein Auge auf ihn, den großen starken Jungen, geworfen, welcher ihr mit seiner fröhlichen Art, sozusagen den Kopf verdrehte. Damals traute Claudia sich kaum, Richard von ihren Gefühlen zu erzählen. Ihre Wege trennten sich und erst viele Jahre später trafen sich beide durch Zufall an der Supermarktkasse.

Claudias Herz hüpfte, und auch Richard zeigte sich überaus erfreut, Claudia wiederzusehen. Nach dem Einkauf fragte Richard Claudia, ob sie denn Lust hätte, wie er meinte „einfach um der alten Zeiten willen“, mit ihm noch einen Kaffee trinken zu gehen. Claudia sah aber nun endlich ihre Chance gekommen. Sie würde sich von ihrer allerbesten Seite zeigen, ihn umgarnen und schließlich für sich gewinnen. Niemand anders sollte jetzt noch „ihren“ Richard bekommen.

Gut, dass Richard, welcher sich eigentlich nur nett mit einer einstmaligen Schulfreundin unterhalten wollte, in jenem Moment nichts von Claudias „Festnahmeplan“ ahnte. Er lud Claudia ins nächstgelegene Café ein und tauschte Erinnerungen mit ihr aus. Claudia gab sich während des Gesprächs weltoffen, verständnisvoll, einfühlsam und charmant. Richard gefielen Claudias eher geschauspielerten Ansichten und er ließ sich gerne zu einem zweiten, schließlich zu einem dritten Treffen überreden.

Die ersten Anzeichen

Claudia und Richard kamen sich mit der Zeit immer näher. Und je näher sie sich kamen, desto mehr plagte Claudia die Angst, ihren Richard eventuell an eine andere Frau verlieren zu können. Das durfte auf gar keinen Fall geschehen. Also schmiedete Claudia Pläne, wie sie Richard noch stärker an sich binden könnte.

Claudia setzte, ohne Richard davon in Kenntnis zu setzen, die Pille ab und wurde schwanger. Richard, welcher selbst in einer Großfamilie mit 4 Geschwistern aufgewachsen war, zeigte sich überglücklich und bat Claudia, ohne dass diese nachhaken musste, um ihre Hand. Richard und Claudia zogen recht schnell in eine gemeinsame Wohnung. Von da an ging die Beziehung aber so richtig bergab.

Eifersucht ist in vielen Beziehungen ein Thema

Claudia ließ keine Gelegenheit aus, Richard nachzuschnüffeln oder ihn auf seiner Arbeitsstelle anzurufen. Unter raffinierten Vorwänden lockte sie Richard von der Arbeit weg nach Hause. Erst als sein Chef ihm eine Standpauke hielt, wachte Richard allmählig auf und er suchte das erste ernste Gespräch mit Claudia: „So geht es nicht mehr weiter. Ständig unterbrichst du meine Arbeit und verlangst von mir, nach Hause zu kommen. Mal ist dir übel, mal hast du Angst oder du meinst irgendetwas würde mit unserem Baby nicht stimmen. Zudem bekomme ich mit, dass du meine Taschen durchwühlst und Freunde ausfragst. Findest du das eigentlich noch normal? Wir haben bereits seit Monaten nichts mehr unternommen, weil du angeblich allergisch auf bestimmte Menschen reagierst. Ich habe das alles mitgemacht, weil ich dich liebe. Aber glaube mir Claudia, ich kann jetzt nicht mehr. Und nun verliere ich bald den Job wegen deinen Klammerallüren. Von was sollen wir dann leben? Also, ich sage es dir nun ein für alle Mail: entweder du änderst dich oder ich gehe!“

Claudia heulte, jammerte, flehte und geriet so richtig in Raserei. Dennoch versprach sie Besserung und tat einige Tage so, als hätte sie verstanden, was Richard bewegte. Doch dann gingen erneut die Gäule mit ihr durch, als sie Richard mit einer fremden, gut gekleideten Frau auf offener Straße beobachte.

Das Fass läuft über…

Sie rannte auf die beiden los und schrie Richard an: „Du Lügner, du Betrüger, ich wusste es ja schon immer!“ Richard sah Claudia nur kopfschüttelnd an und verließ mit der fremden Frau (welche übrigens seine neue Vorgesetzte war) den Ort des Geschehens. Nachmittags kehrte Richard nicht mehr in die gemeinsame Wohnung zurück. Vielmehr traf er sich seit langer Zeit mal wieder mit einem guten Freund und versank im Nachtleben Berlins. Tage vergingen. Richard hatte Claudias Telefonnummer gesperrt. Er zog ins Elternhaus ein und versuchte, den Schmerz und die Eifersuchtsszenen der letzten Tage, Wochen und Monate mit einem Psychologen seiner Wahl aufzuarbeiten. Richard fühlte sich richtig krank, vermisste das gemeinsame Baby und wünschte sich die Anfangszeit mit Claudia herbei. Warum hatte sie ihn nur so in die Ecke gedrängt? Er hätte wirklich alles für sie getan und wollte sie doch niemals verletzen.

Endlich glücklich ohne Eifersucht

Nach insgesamt drei Monaten klingelte es an der Haustür von Richards Eltern. Claudia stand mit dem gemeinsamen Baby vor der Tür und zeigte Richard ein Schriftstück, dass belegte, dass sie sich in psychotherapeutischer Behandlung befindet. Erst einmal reagierte Richard kühl und sachlich. Als Claudia sich aber ernsthaft bei ihm für ihr ungerechtes Verhalten entschuldigte und ihn bat, mit ihm an ihrer Eifersucht zu arbeiten, öffneten sich bei Richard alle Schleusen und er weinte vor Erleichterung hemmungslos los. Er schloss seine beiden Liebsten in die Arme, herzte und knuddelte sie so lange, bis sie fast keine Luft mehr bekamen.

Tatsächlich hat sich ab diesem Zeitpunkt einiges geändert. Claudia und Richard erarbeiteten gemeinsam eine Strategie, die Eifersuchtsmaschinerie zu stoppen. Und es gelang ihnen. Heute wird Vertrauen großgeschrieben und Claudia, Richard und ihr gemeinsamer Sohn wohnen zufrieden und glücklich in einem schönen Reihenhaus inmitten Berlins. Befragt man Claudia zum Thema Eifersucht, antwortet sie mit einem Augenzwinkern: „Eifersucht, was ist das?“ und Richard ergänzt: „Wir haben diese Schlange aus unserem Leben für immer vertrieben und sind glücklicher als je zuvor!“

Übrigens haben Claudia und Richard noch zwei weitere Kinder bekommen und gehen nun regelmäßig zum Bowling-Abend mit Freunden. Mit der richtigen Einsicht kann Eifersucht gelindert oder sogar ganz überwunden werden. Ende gut, alles gut!

„Was du liebst – lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“ (Konfuzius)

Bildnachweis: IStock 880861046, IStock 811319086 https://www.youtube.com/watch?v=GELHCeE9uTA

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